Vor kurzem war ich auf einem Kompaktkurs „Train the Trainer“. Normalerweise ist der aufgeteilt in mehrere Stufen und geht insgesamt neun Tage. Uns wurde das in drei Tagen eingeprügelt. Man muss dazu sagen, der Kompakt-Kurs ist eigentlich für die Teilnehmer, die die Einzellehrgänge hatten.
Unsere Trainerin war Dagmar Friebel von ChangePro. Eine sehr eloquente und mitreißende Person. Ja, sie hat auch was von diesem „TSCHAKKA!“. Aber auf eine durchaus positive Weise. Auf eine komprimierte Weise vermittelt bekommen, wie man Wissen transferiert, war schon sehr interessant. Wie wirken Gestik, Aussehen, Sprache. Das wurde am lebenden Beispiel demonstriert. Jeder Teilnehmer musste sich am ersten Tag präsentieren. Und jeder Teilnehmer durfte seinen Senf dazu abgeben. Das war schon sehr interessant. Man bekommt seine, teilweise bekannten Mankos, aufgezeigt, aber auch seine unbewussten Macken.
Erst am zweiten Tag wurden wir auf den Feedback-Burger (PDF) hingewiesen. Also dass man Feedback in der Ich-Form gibt. Also nicht „Du warst nervös!“, sondern „Ich habe dich als nervös empfunden.“. Das kommt natürlich beim Empfänger ganz anders an. Dabei wurde auch das Vier-Seiten-Modell sehr viel bewusster. Wie empfange ich eine Nachricht. Beispiel: „Der Kaffee ist alle!“ Nehme ich das jetzt in meinem Appell-Ohr war und setzte neuen Kaffee auf? Oder doch mehr auf der Sachebene als bloße Feststellung? „Ja, dann ist der wohl alle.“
Hinzu kam dann so etwas wie eine Selbstanalyse durch Metaprogramme. Bin ich mehr der visuelle oder der audiotive Typ? Finde ich etwas gut, oder sehe ich es positiv. Gerade daraus habe ich für mich sehr viel mitgenommen. Nicht nur für mich persönlich, sondern auch für das private Umfeld. Denn alleine schon durch die Formulierung, wie jemand etwas empfindet, kann ich den Menschen besser einschätzen. Klingt ein wenig eso, ich weiß.
Sicher hat man als Dozent/Trainer die unterschiedlichsten Typen vor sich, auf die man sich einstellen muss. Und während des Lehrgangs fragte ich mich, lernen Pädagogen/Lehrer so etwas auch? Nein, tun sie nicht. Sonst würden viele Schüler nicht auf der Strecke bleiben. Sie lehren nach ihrem „Programm“. Sind sie die visuellen Typen, machen sie viel mit Bildern und erreichen die Schüler nicht, die anders gepolt sind.
Was ich noch mitgenommen habe? Sprache. Ich weiß, und kriege es auch immer wieder vorgeworfen, dass ich zu schnell vorlese. Mit dem Vorurteil gehe ich in den Vortrag und kriege dann gesagt, das Sprechtempo ist ideal. Dann sitze ich auf einmal da und lese meiner Tochter vor und verfalle unbewusst in die Trainer-Rolle. Ich lese nicht mehr vor, ich doziere.
Was ich gelernt habe? Ich kann Menschen besser einschätzen. Mich besser auf sie einstellen. Ich kann aber auch Menschen „beeinflussen“. Durch Gestik, Sprache. Ich achte, zumindest im beruflichen Rahmen, ganz anders darauf, wie ich mich verhalte, wie sich der Gesprächspartner verhält.
Ich bin nach wie vor Ich. Ich kann nur anders, bewusster auf andere Menschen reagieren. Sicher muss das weiter gelernt werden. Sicher übersieht man Nuancen. Und privat steht man ohnehin anders da. Da sind ganz andere Mechanismen am Werk. Da ist man vielleicht auch zu eingefahren. Man will es vielleicht auch missverstehen. Weil man einen Scheißtag hatte. Weil es eben privat ist. Und nicht distanziert, beruflich. Aber es hilft vielleicht, nicht gleich zu eskalieren. Es auf eine andere Ebene zu heben, nach zu denken. Vielleicht hat man eine Aussage auf der falschen Ebene wahrgenommen. Vielleicht war die Aussage ja eigentlich ganz anders gemeint. Und ein „Ich finde Dein Zimmer sehr unordentlich“ wirkt beim Empfänger ganz anders als ein „Du hast schon wieder nicht aufgeräumt!“. Das „Du“ ist immer ein Angriff. Das „Ich“ zeigt das persönliche Empfinden. Der Empfänger kann darüber nachdenken. Ohne angegriffen zu sein. Und ändert sein Verhalten vielleicht.
Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, jetzt bewusster zu kommunizieren, zu versuchen Aussagen für mich zu werten, wie ich sie wahr nehme, nach zu fragen. Und eben mehr das anklagende „Du hast…“ sein zu lassen, sondern mehr auf das „Ich…“ zu verwenden.
tl;dr
Der Lehrgang hat mir sehr viel in Sachen Kommunikation Face-to-Face gebracht. Wie empfinde ich eine Aussage, was wollte der Sender aussagen? Kritik nicht anklagend vorbringen, sondern aus dem persönlichem Empfinden vortragen.
